Artports Magazine

Veröffentlicht am 23. Apr, 2011 in WEB

Ausstellung des Monats

Magische Momente: Wenn der Vorhang fällt
Margarita Broich – Fotografien
Martin-Gropius-Bau, Berlin

von Roswitha Zytowski

Wer einmal die Gelegenheit hatte, Schauspielern kurz nach der Vorstellung zu begegnen, wird den Blick in ihren Augen, den Ausdruck in ihrem Gesicht nicht vergessen. Es ist die Mischung aus körperlicher Erschöpfung und einer Leere, die sich dort widerspiegelt. Viel wurde schon über diesen Verwandlungsprozess der chauspieler nachgedacht: diese Transformation in eine Rolle hinein und wieder aus dieser heraus. Margarita Broich hat sich ihren Kollegen mit ihrer Kamera genähert und diesen Moment für uns festgehalten. Und diese Fotos nehmen uns gefangen – denn sie können so viel mehr vermitteln, als jeder Versuch der theoretischen Beschreibung. Wenn wir diese Bilder sehen, wird uns einmal mehr klar, welche Möglichkeiten die Fotografie hat und welche Kraft: Sie hält fest und bildet ab. Und sie vermittelt uns im wahrsten Sinne des Wortes Einblicke. Wir sehen die Schauspieler noch in ihren Kostümen. Sie haben all die großen Figuren der Theaterliteratur gespielt oder verkörperten wie Kate Winslet die Hanna Schmitz in Der Vorleser. Noch ist die Schminke auf den Gesichtern, aber so nackt haben wir diese Menschen wohl noch nie gesehen.

Die Schauspielerin Margarita Broich weiß um diesen Zustand. Sie selbst stand schon in vielen Produktionen auf der Bühne und mit manchen Regisseuren überschritt sie wohl auch persönliche Grenzen. »Nach einer Vorstellung von Christoph Schlingensief 2001 kam ich mit Theaterblut verschmiert in meine Garderobe, und was ich im Spiegel sah, verstörte mich zutiefst. Ich glaube, das war der Auslöser, diesen eigenartigen Zwischenzustand nach einer Vorstellung bei meinen Kollegen, mit denen ich gespielt oder gedreht habe, festzuhalten.« So erklärt Broich ihr Interesse, diesen Zustand festhalten und ergründen zu wollen. Und tatsächlich kommen wir dank der Aufnahmen Broichs den Schauspielern, aber insbesondere den Menschen sehr nahe. Noch ist die Schminke in seinem Gesicht und dennoch ist es ganz klar der Mensch, den wir sehen. Wir sehen die wunderbare Christiane Hörbiger, kahlköpfig, wie sie wortwörtlich aus der Rolle herausgeschält, ja, befreit wird, indem man ihr die Maske entfernt. Oder Klaus Maria Brandauer, erschöpft zwar und doch ganz bei sich, nach einer zehnstündigen Wallenstein – Inszenierung. Was uns Broich zeigt, sind keine Schnappschüsse. Bevor sie Schauspiel studierte, war sie Theaterfotografin am Schauspielhaus Bochum und sie beherrscht ihr Handwerk. Sie hält den richtigen Augenblick fest und lässt uns teilhaben an einem sehr intimen Moment. Das macht die Ausstellung nicht nur für Theaterfreunde zum besonderen Seherlebnis.

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