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Veröffentlicht am 5. Mrz, 2011 in PRINT
BZ vom 5. März 2011Die Sekunde nach dem Auftritt

von Susanne Schulze

Schauspielerin Margarita Broich fotografiert ihre Kollegen in einem sehr intimen Moment. Ab dem 18. März sind ihre Künstlerporträats im Gropius-Bau zu sehen.

 

Die Anspannung löst sich, die Augen blicken müde ins Leere. Das Kostüm ist nur noch eine Hülle. Der große Auftritt ist vorüber, der Alltag nähert sich.

Diesen kleinen Augenblick dazwischen, wenn alles getan ist, hält Margarita Broich mit ihren Fotografien fest. „Herbeigeführte Zufälle“, nennt die Fotografin ihre Bilder.

Zu sehen sind die über 60 Künstlerporträts ab dem 18. März in der Ausstellung „Wenn der Vorhang fällt“ im Martin-Gropius-Bau. Dabei sind Ben Becker. Otto Sander. Klaus Maria Brandauer. Christoph Schlingensief. Kate Winslet. Veronica Ferres, Christiane Hörbiger und viele mehr.

Gerade mal 5 Minuten Zeit hat sie, um das Bild zu schießen. Dabei hilft es Margarita Broich, dass sie vom Fach ist. Nach einer Lehre arbeitete sie bei Claus Peymann in Bochum als Theaterfotografin. Doch das war ihr mit der Zeit zu einsam: Immer allein in der Dunkelkammer als mit netten Kollegen auf der hell erleuchteten Bühne. So bewarb sie sich mit 23 Jahren an der Schauspielschule und fing noch einmal etwas ganz anderes an. Nun ist sie vor der Kamera genauso zu Hause wie dahinter.

Sie weiß, wie ihre Kollegen ticken. Deshalb sind ihre Bilder so intim. Man kennt sich eben gut und lange. So wie den eigenen Ehemann Martin Wuttke, den Margarita Broich mit der Zigarette danach im Zuschauerraum des Berliner Ensembles fotografierte.

Die Idee zu der Bilderserie hatte sie, als sie ein Selbstporträt machte. Nach einer Vorstellung von „Rosebud“ (2001) an der Volksbühne kam sie, verschmiert mit Theaterblut, von der Bühne. Über ihren Anblick im Spiegel war sie fast erschrocken.

Doch dieser besondere Moment hatte sie gepackt. Fortan begab sie sich auf die Jagd in Garderoben und auf Filmsets. Margarita Broich gelingt es, das flüchtige Leben der Schauspielwelt einzufangen. Sie gibt dem Publikum einen Einblick in Kulissen, Garderoben oder Theaterflure, die normalerweise niemals in der Öffentlichkeit zu sehen sind.

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