Hamburg Live

Veröffentlicht am 11. Mrz, 2011 in PRINT
Hamburg-Live

Mann, oh Mann

von Anette Stieleke

Visionen des Männlichen zeigt die Schau Traummänner im Haus der Photographie

Männer sind außen hart und innen ganz zart, das wissen wir seit Herbert Grönemeyer und den 80er-Jahren. Die Frage, wann ein Mann ein Mann ist, ist in Zeiten sich langsam einschleifender neuer Rollenverständnisse doch sehr im Fluss. Aber was ist eigentlich heute ein Traummann?
Das klingt selbstverständlich nach mit viel Herzblut idealisierten Projektionen. Es sind meist Charaktere von zwiespältiger Natur mit solide verlebter Aura wie Vincent Cassel, der als Choreograf derzeit Natalie Portman im Psychodrama „Black Swan“ um den Verstand bringt, oder die üblichen wilden Schauspieler-Buben von Matt Dillon, Jonathan Rhys Meyers, George Clooney bis zu Brad Pitt. Ohne sie kommt auch die Schau „Traummänner – 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal“ nicht aus. Aber sie zeigt auch den anderen. Den ganz normalen Mann. Internationaler Herkunft, natürlich, auch mal nachdenklich – und verdammt sexy. Zwei Jahre liegt die überaus erfolgreiche Ausstellung „Traumfrauen“ im Haus der Photographie nun zurück. Da gebot es schon die Geschlechterparität auch 50 Top-Modefotografen um ihre liebsten Traummänner-Beiträge anzufragen. Bryan Adams, Michelangelo di Battista, Tony Duran, Matt Jones, Ali Kepenek, Thomas Leidig, Peter Lindbergh, Mark Seliger, Ellen von Unwerth, Bruce Weber und viele andere haben reagiert. 150 Werke wurden für die Schau zusammengetragen, die vom 11. März bis zum 22. Mai im Haus der Photographie zu sehen ist, An der Entwicklung eines Männerspektrums vom virilen Waschbrettbauch-Adonis bis zum metrosexuellen, intellektuell angehauchten Nerd haben die Fotografen entscheidenden Anteil.
Uber ihre Arbeiten in Medien, Mode und Werbung haben sie das heutige Mânnerbild mitgeprägt. Die Ausstellungsobjekte haben sie frei von Sachzwängen gewählt. Kuratorin Nadine Barth hat die Schau als Forschungsprojekt angelegt. Sie bringt die Kriterien der Auswahl auf einen griffigen Nennen „Charakter“. Und wie man so oft vom männlichen Blick spricht, wenn es um Porträts von Frauen geht – die dann gerne möglichst leicht bekleidet sein dürfen – so dreht sich bei den Traummännern alles um Projektionen von Virilität und Verletzlichkeit. Am Ende ist also doch alles ganz wie beim ollen Grönemeyer.

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