Hamburger Abendblatt 1

Veröffentlicht am 11. Mrz, 2011 in PRINT
Hamburger Abendblatt

Echte Mannsbilder

von Camilla John

Eröffnung der Ausstellung „Traummänner“ lockt auch
Pop-Sängerin Sarah Connor in die Deichtorhallen

„Um ein Traummann zu sein, müssen Sie sich also nicht allabendlich im Fitnessstudio quälen oder sich gar unters Messer legen – Traummann zu sein lässt sich erlernenl“ Mit diesen Worten beruhigt ein Ratgebertext der Online~Partnerbörse eDarling seine mäıınlichen Leser. Bedeutender sei es, Charaktereigenschaften wie Treue, Ehrlichkeit und Verständnis zu besitzen. Stimmt’s? Den Rest, Flirten und Zuhören und so, das könne man sich aneignen. Und viel mehr braucht es dann ja schon gar nicht, um ein weibliches Wesen von sich zu überzeugen. Hm. Aber verwandeln sich dann in der subjektiven Wahrnehmung der zu Erobernden auch der Rettungsring in Hüfthöhe, viel sichtbare Kopfhaut und wenig strammes Bein flugs in liebenswerte Makel? Eine Frage, der man gestern wunderbar nachgehen konnte: Die am Abend eröffnete Fotoausstellung „Traumminner“ im Haus der Photographie in den Deichtorhallen zeigt rund 150 Werke von 50 Fotografen. Nur Männer sind zu sehen. Mal sexy, intellektuell, stark, metro oder sanft. Die Schau ist ein Folgeprojekt der Ausstellung „Traumfrauen“, die bereits 2008 sehr erfolgreich in Hamburg gezeigt wurde. Und so erquickten sich „Tatort“-Star Martin Wuttke (war auch als Hitler in „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino zu sehen), Kulturinvestor Klausmartin Kretschmer und Popsingerin Sarah Connor bei Clooney, Depp und Dillon. Connor kam aus Wildeshausen bei Bremen mit ihrer Freundin „Pille“, Elke Hillebrand-Engelke. Über Traummlnner sprechen wollte Connor auf keinen Fall, sie ,sei rein privat zum Gucken gekommen, hieß es. Doch dass sie in ihrem Manager Florian Fischer bereits ihren ‚persönlichen Traummann gefunden hat, ist klar und deutlich: Ihr Babybauch zeichnete sich unter dem hellen Oberteil ab. Ent- spannt und ohne Starallüren schlenderte die „X Factor“-Jurorin durch die Gänge, bewunderte deutsche Dreamboys wie Sebastian Koch, Clemens Schick und Benno Fíirmann. Doch gerade die internationalen Stars, die die weißen Wände zierten, konnten sich sehen lassen: Mads Mikkelsen, Johnny Depp, Roman Polanski, Al Pacino, aber auch Barack Obama.
“Vom Charakterlichen her gefällt mir John Malkovich am besten“, erzählte „Rote Rosen“-Schauspielerin Maria Fuchs, die mit ihrem Kollegen Stefan Hossfeld zur Ausstellung aus Lüneburg kam. „Und nur eine Männerhand auf einem Bild zu sehen, das hat auch etwas.“ Denn schöne Männer sind was Schönes. Da schaut Frau gerne hin. Der Mann übrigens auch. Gestern_Abend konnte kein auffälliger Frauenüberschuss ausgemacht werden, vielmehr sahen sich Paare die geschmackvollen Fotografien an, diskutierten über die unterschiedlichen Typen, über die Bedeutung von Männlichkeit. Brusthaare ja oder nein? Hemden bügeln oder nicht?
„Das Bild des Mannes hat eine Veränderung durchlaufen“, sagt Kuratorin Nadine Barth, die gemeinsam mit Deichtorhallen-Kurator Ingo Taubhorn und vor Leiter Dirk Luckow über die Idee der Ausstellung sprach. Drei Jahre Bedenkzeit hatte man sich nach den „Traumfrauen“ genommen, bis die „Traummänner“ es in die Deichtorhallen geschafft haben. „Der erste Erfolg war so überwåltigend, dass ich erst Angst hatte – jetzt überglücklich bin“, so Taubhom lächelnd. Ebenfalls freudestrahlend war Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich, deren Bilder auch ihren Platz gefunden hatten. „Man denkt, man hätte mit Waschbrettbäuchen nichts zu tun, aber hier sieht man dann doch den einen oder anderen ganz netten gern an der Wand hängen.“

www.abendblatt.de