Kultiversum

Veröffentlicht am 23. Apr, 2011 in WEB

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Margarita Broich: Fotografien

von Alexandra Riedel

Unter dem Titel «Wenn der Vorhang fällt» präsentiert der Martin-Gropius-Bau die jüngsten Arbeiten der Fotografin Margarita Broich – eine Hommage an den Schauspieler auf der Schwelle zwischen Rolle und realem Dasein.

Beschreibung:

In über 60 Fotografien hat Broich jenen Moment eingefangen, da der Vorhang fällt, der Schauspieler die Bühne verlässt und ins eigene Leben zurückkehrt. Ein wahrhaft magischer Moment, voll des Adrenalins und der Hochspannung, aber auch der Erschöpfung und Zerstreutheit.

Die frühste Aufnahme (2002) zeigt die Schauspielerin Broich nach einer Vorstellung von Christoph Schlingensiefs «Rosebud» an der Berliner Volksbühne. An ihrer Stirn klafft eine tiefe Wunde. Theaterblut rinnt über Wange, Nase und Hals. Der Blick ist in sich gekehrt und doch erstaunlich wach. Damals habe sie die Betrachtung ihres eigenen Spiegelbildes zutiefst verstört und schließlich zu dieser Fotoserie bewogen, erzählt Broich, die vor ihrer Schauspielausbildung Anfang der achtziger Jahre ein Fotodesignstudium in Dortmund abgeschlossen hatte.

Allen von Broich porträtierten Schauspielern, darunter Klaus Maria Brandauer, Angela Winkler, Kate Winslet oder John Gavin Malkovich, stehen die Rollen noch ins Gesicht geschrieben. Indes: Maske und Requisiten verlieren bereits an Wirkkraft. Aus den zuweilen gespenstig blass geschminkten Gesichtern treten warm dreinblickende Augen hervor, das Messer – nur noch ein Gegenstand aus Plastik, das Gewandt – Stoff allein.

Auch Otto Sanders, der, kurz bevor Broich den Auslöser ihrer Digitalkamera bediente, noch als alter Krapp aus Becketts Das letzte Band nach seinem verlorenen Ich suchte, steht nun rauchend in seiner Garderobe. Was ihn umgibt ist eine Wolke des Adrenalins, der Ermattung und des Zigarettenqualms. Halb Krapp, halb Sanders.

Bewertung:

Es ist nicht das fotografische Know-how, das hier begeistert, sondern das Abbild eines Moment behafteten Zwischenreichs.

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