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Prof. Dr. Peter Raue alias MisterMoMA ist Gründungsmitglied des Vereins „Freunde der Nationalgalerie“, Freund und Förderer des Museums Berggruen, der Deutschen Oper und Bundesverdienstkreuz-Träger. Jede Woche schreibt er exklusiv in BILD.

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Gropius-Bau zeigt Stars abgeschminkt
und mit Bierflasche

von Peter Raue

Stars sind Menschen, die so berühmt sind, dass Ungezählte Kontakt mit diesen Menschen haben wollen, sich für deren Schicksal, deren Auftritt, deren Erfolge und Misserfolge interessieren. Stars strahlen auf dem roten Teppich, sie demonstrieren ihre Liebe und ihre Lieben in den einschlägigen Gazetten. Das ist hundertmal fotografiert, gefilmt, publiziert worden. Was aber machen die Stars, wenn die Show vorüber, der Filmtagb eendet, das Theater gespielt, der Jubel verklungen ist? Das erste einsame Bier, der Abschminktisch, die Erschöpfung, das „sich gehen lassen“: Wie sehen die Vielbewunderten aus in dieser Situation, wie mutieren die Stars zu „Menschen wie du und ich“? Margarita Broich, selbst eine herrliche Schauspielerin, hat über viele Jahre genau diese Momente eingefangen. Ben Becker nach dem Salzburger „Jedermann“; die Geschwister Pfister in den lächerlich kleinen Räumen an der „Bar jeder Vernunft“; der große Klaus Maria Brandauer: barfuß, mit Bierflasche, im Kostüm seiner unvergessenen Wallenstein-Darstellung, alt und müde und vielleicht auch ein bisschen traurig. Dietmar Bär, der „Dicke“ vom Kölner Tatort, in der Badewanne; Kate Winslet am Schminktisch, Veronica Ferres im Liegestuhl auf einem Acker nach abgedrehtem Film. Nur einige wenige Beispiele der vielen Porträts, die Margarita Broich aufgrund ihrer Schauspielernähe festhalten konnte. Und die – nach einem viel beachteten Auftritt im vergangenen Sommer in Salzburg – nun im Gropius-Bau zu sehen sind. Bis 30. Mai, jeden Tag von10 bis 20 Uhr, nur dienstags geschlossen. Nie haben wir die Stars so nah, so menschlich und deshalb so berührend gesehen wie in dieser Ausstellung. Keines der Fotos ist „gestellt“, alle sind aber mehr als nur Schnappschüsse. Sie sind im wahren Wortsinn Porträts, Bilder von Menschen, die den Glamour kennen und auch lieben, die aber auch die bittere Erfahrung der Leere, des Allein seins des „danach“ immer wieder erfahren und überwinden müssen. Großartig!