Nachspiel

von Gudrun Weinzierl

„Ein Lebensunfall hat mich ins Theater geworfen“, sagt Bühnen und Filmschauspielerin Margarita Broich. Hermine Huntgeburth holte sie zu Teufelsbraten und Effi Briest. 2008 hatte sie Rollen in den Kinofilmen Nacht vor Augen, Der Vorleser, Unter Bauern, im Frühjahr 2009 drehte sie mit Christiane Hörbiger den Spielfilm Luises Versprechen. Als ihre wichtigsten, prägendsten Bühnenrollen nennt sie die Adelheid in Götz von Berlichingen in der Regie von Einar Schleef und die Ophelia in einer Harmlet-Inszenierung von Heiner Müller am Deutschen Theater in Berlin, die mit dem Fall der Mauer zusammen fiel.

Mit Porträts von Künstlerkollegen wird im Museum der Moderne Salzburg erstmals ihre Arbeit als Fotografin, ihrem ersten Beruf, mit einer Ausstellung gewürdigt. Dabei hat sie immer fotografiert: „Schon mit zehn Jahren bin ich immer mit der Kamera losgezogen, auch wenn es mein Traum war, Schauspielerin zu werden.“ Eine mehrjährige Abstinenz gab es, als ihr 1987 die gesamte Fotoausrüstung, alle Leicas, Nikons bis hin zum letzten Stativ, aus dem Atelier in Frankfurt gestohlen wurde: „Ich war schlagartig keine Fotografin mehr, ich habe dann jahrelang mit Wegwerfkameras fotografiert.“

In Ende der Vorstellung sind Fotoarbeiten eines subtilen, intimen Momentes vereint: Sie hat Schauspielkollegen in deren Garderoben aufgesucht. Keinesfalls launige Schnappschüsse nach erfolgreichem Auftritt, sondern ausdrucksstarke Bilder an der Schwelle zum „Nachher“ sind daraus entstanden. Der Wandel von der Bühnenfigur zurück in die eigene Persönlichkeit ist noch nicht vollzogen, die Gesichter haben ihre Rolle noch nicht abgelegt.

„Schauspieler zu fotografieren ist schwer. Sie sind oft verkrampft. weil sie eine genaue Vorstellung davon haben, wie sie aussehen wollen. Schauspieler nach der Vorstellung sind entspannter. Zum einen ist die Erleichterung den Auftritt hinter sich zu haben, sichtbar, aber gleichzeitig ist man nach der Vorstellung hellwach und erregt. Man ist leer, aber nicht müde. Müdigkeit, Erschöpfung ist vielmehr ein Zustand, der an Drehorten am Ende eines Film-Tages herrscht, das Schauspiel an der Bühne dreht auf. Schauspieler strahlen eine Art von, Tollheit aus, diesen ständigen Anspruch großartig sein zu müssen. – Ach! Das ist ein irrwitziger, bescheuerter Beruf! Diese Fotos haben mich auch meinem Beruf als Bühnenschauspielerin wieder näher gebracht“, erzählt Margarita Broich von ihrer Fotoarbeit, reflektiert dabei ihr Empfinden als Schauspielerin und wie eng sich beides für sie verwoben hat.

Es war ein „profaner Umstand“, durch den sie zum Theater kam und Schauspielerin wurde. Das Ende einer Beziehung trieb mich von der Fachhochschule in Dortmund, wo ich Fotodesign studierte, nach Bochum. Einfach etwas anderes machen, am liebsten beim Theater, war meine Idee. Ohne Schauspielausbildung war das Angebot, als Theaterfotografin zu arbeiten, ohnedies ein Glücksfall. Claus Peymann gab mir eine Chance. Ich – die vom Land kam und im Kloster zur Schule gegangen war – erlebte das Theaterleben wie Sodom und Gomorrah. Die stehen im Licht und ich in der Dunkelkammer, dachte ich manchmal und nach eineinhalb Jahren habe ich es gewagt, in Berlin Schauspiel zu studieren.

Als Fotografin bin ich unabhängig und allein. Stehe ich z. B. an einer Ampel, kann ich nicht einfach anfangen zu spielen, aber ich kann Fotos machen. Als Schauspieler werde ich besetzt, engagiert, tagelang gecastet und bekomme die Rolle doch nicht, weil ich die falsche Haarfarbe habe oder die Nase zu groß ist. Von diesem Stress bin ich heute befreit, gottlob!

Die Bilder von Jedermann Peter Simonischek und Buhlschaft Sophie von Kessel aus dem Jahr 2008 entstanden – anders als die Anderen – nicht aus einer gemeinsamen Arbeit auf der Bühne oder bei Dreharbeiten, sondern dank einer Einladung des Museum der Moderne Salzburg. Direktor Toni Stooss hat sie gebeten, ihren Blick auf Salzburg zu werfen und sich auch den Charakteren des Jedermann zuzuwenden.

Als Bindeglied zwischen Broich und Stooss erwies sich der Berliner Künstler Jakob Mattner, der vor zwei Jahren im Museum seine Arbeiten zu Licht, Sonne und Kosmos ausstellte. Margarita Broich las gemeinsam mit Angela Winkler im Museum Sonne, Mond und Sterne, man traf sich wieder in Berlin, Stooss sah ihre Fotoarbeiten von Bühnenkollegen, die Idee zur Ausstellung Ende der Vorstellung war geboren.