RBB Online

Veröffentlicht am 23. Mrz, 2011 in WEB

rbbonline Logo

 

Fotografien von Margarita Broich
im Martin-Gropius-Bau

von Jürgen Gressel-Hichert, Kulturradio

Wenn der Vorhang fällt und der Schauspieler von der Bühne steigt, befindet er sich für einen Augenblick im Zwischenreich zwischen Rolle und Ich.
Der Martin-Gropius-Bau zeigt diese Momentaufnahmen von Margarita Broich in einer Ausstellung.

Ben Becker ist präsent wie am Set. Und man muß zweimal schauen, um den kleinen Unterschied an der brennenden Zigarette auszumachen. Den Unterschied zwischen öffentlichem Auftritt und dem Moment danach. Jonathan Meese ist noch voll geschminkt. Nur der Kragen ist leicht geöffnet, aber auch ihn verlässt die Anspannung nach der Vorstellung nur langsam. Noch im Kostüm, nicht mehr ganz in der Rolle.

Magische Momente sind es, die Margarita Broich in ihren Fotos „kurz danach“ festgehalten hat. Sie selber kennt das Feeling nur zu gut. Sie hat bei Peymann auf der Bühne gestanden, hat neben Ulrich Mühe beim Deutschen Theater gastiert, war festes Mitglied beim Berliner Ensemble.

Fotografin – kein Wunschberuf

Eigentlich ist Margarita Broich aber Fotografin. 1960 wurde Margarita Broich geboren, studierte zunächst Fotodesign an der Fachhochschule Dortmund. Und am Anfang ihrer Karriere hat sie auch wirklich als Theaterfotografin gearbeitet, doch eigentlich wollte sie lieber selber auf der Bühne stehen. Das hat sie nach einer Schauspielausbildung in Berlin auch jahrelang getan.

Irgendwann einmal hatte Margartia Broich ihre Kamera dann doch wieder herausgeholt und angefangen mit Selbstporträts. Der denk- und merkwürdige Moment nach einer jeden Aufführung, der erste Blick vor dem Abschminken in den Spiegel. Das hatte sie zunächst bei sich als etwas ganz Besonderes entdeckt.

Intime Momente

Und Margarita Broich begann auch in den Gesichtern der Kolleginnen und Schauspielerfreunden zu forschen, wann genau sie aus der Rolle in ihr Selbst zurückschlüpfen. Einige dieser Fotos sind richtige Entdeckungen, weil sie trotz Restschminke im Gesicht ein ziemlich ungeschminktes Bild zeigen. Große Schauspieler in dem intimen Moment des Übergangs. Fast so wie wenn man Menschen beim Aufwachen anschaut.

Bei manchen Fotos schaut man zweimal hin. Mindestens. Um zu erkennen, wer abgebildet ist und zu verstehen, worin der magische Moment besteht. Zum Beispiel bei einem Foto, das auf den ersten Blick so schlicht daherkommt, als sei es vor dem

Wartesaal beim Arbeitsamt aufgenommen worden. Beim zweiten Blick entdeckt man zwischen Glastür und Notausgang vier Theaterstühle. Auf einem von ihnen sitzt Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. Entspannt. Lächelnd. Zufrieden.

Ein Gefühl, das sich nach dem Besuch der Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau auch auf einigen Gesichtern der Besucher eingestellt hat.

www.rbb-online.de