RP-Online

Veröffentlicht am 5. Apr, 2011 in WEB

RP-Online

Selten intime Einblicke

Als Schauspielerin ist Margarita Broich bekannt, als Fotografin ist sie für viele eine Neuentdeckung. Der Martin- Gropius-Bau in Berlin zeigt jetzt über 60 ihrer Künstlerportraits. Sie hält darin flüchtige Momente fest, wenn der Künstler wenige Minuten nach dem Ende der Vorstellung durchatmet. Zu sehen sind unter anderem Ben Becker, Kate Winslet oder Veronika Ferres.

Die Rolle steht den Spielern noch ins Gesicht geschrieben, die Welt der Kulissen und Spiegel umgibt sie noch, aber sie spielen nicht mehr. Sie befinden sich in Garderoben, in Theaterfluren oder beim Maskenbildner. Sie schminken sich ab, sind umgeben von den Utensilien ihrer Verwandlung. Broich portraitiert die Künstler mit dem Instinkt einer Kollegin. Ihre Fotografien fangen renommierte und zu ihrem Bekanntenkreis gehörende Künstler in jenen Momenten ein, da sie aus ihrer eben gespielten Rolle von der Bühne zurückkehren. So nüchtern die äußere Situation der Aufnahmen bisweilen erscheint, so besitzt jede Fotografie doch ihren eigenen Charme.

Intime Einblicke

Dem Betrachter geben die Fotografien Blicke frei, die zu den intimsten im Bühnengeschäft gehören: Martin Wuttke mit blonder Warhol-Mähne und Pudel Taxi, rauchend nach der Vorstellung von „Gretchens Faust“. Klaus Maria Brandauer nach zehnstündigem Wallenstein-Epos auf einem Hocker mit Bierflasche sitzend.
„Nach einer Vorstellung von Christoph Schlingensief 2001 kam ich mit Theaterblut verschmiert in meine Garderobe, und was ich im Spiegel sah, verstörte mich zutiefst. Ich glaube, das war der Auslöser, diesen eigenartigen Zwischenzustand nach einer Vorstellung bei meinen Kollegen, mit denen ich gespielt oder gedreht habe, festzuhalten“, beschreibt die Fotografin den Moment, in dem die Idee zu diesen Aufnahmen entstanden ist.
Margarita Broich ist derzeit als Fotografin sehr gefragt. So ist sie nicht nur in der genannten Ausstellung in Berlin zu sehen, sondern gleichzeitig noch in zwei weiteren Schauen.
Margarita Broich, 1960 in Neuwied geboren, studierte zunächst Fotodesign in Dortmund und arbeitet als Theaterfotografin am Bochumer Schauspielhaus unter Claus Peymann, bevor sie selbst Schauspiel an der Hochschule der Künste in Berlin studierte. Seitdem ist sie an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen und in Fernsehfilmen präsent und arbeitet mit Regisseuren wie Heiner Müller, Robert Wilson und früher mit Christoph Schlingensief zusammen.

www.rp-online.de