Süddeutsche

Veröffentlicht am 9. Mrz, 2011 in PRINT
Süddeutsche

Nach der Vorstellung
Schauspielerportraits von Margarita Broich

von Peter Laudenbach

Die Fotoausstellung: die jetzt bis zum 30. Mai im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, würdigt ausnahmsweise keinen Klassiker des Mediums. Sie stammt genau genommen nicht einmal
von einer professionellen Fotografin, auch wenn ihre Bilder es jederzeit mit den Großmeistem aufnehmen können. Margarita Broich ist Schauspielerin. Seit zehn Jahren fotografiert sie ihre Kollegen unmittelbar nach der Vorstellung oder bei Drehpausen – oben zum Beispiel, von links: Christiane Hörbiger, die Chorsolisten von „Kiss me Kate“ , Martin Wuttke, Sophie von Kessel, Ben Becker. Was so entsteht, sind Bilder ohne Pose. Wer eben noch das Publikum gerockt hat, will jetzt bloß noch abschalten. Ottfried Fischer schaut neben seinem Garderobier vor einer Fototapete mit Alpenpanorama ausdruckslos in die Kamera: Ein stoisch in sich ruhender bayerischer Buddha des Schaugewerbes. Jürgen Holtz hängt nach einer „Wallenstein“-Aufführung völlig fertig auf dem
grauen Garderoben-Sofa und wärmt sich am Tee aus der Thermoskanne. Nach derselben Vorstellung will Klaus Maria Brandauer barfuß und in dunklen Bademantel, nur noch eines: ein Bier.

Und seine Ruhe. Wir sehen keine Stars, die ihr Image vor sich heıtragen, sondern erschöpfte Theater-Arbeiter am Schichtende. Selbst ein subtilitätsfreier Selbstdarsteller wie Ben Becker,
noch schwarz geschminkt nach der Salzburger „Jedermann“-Vorstellung, blickt ohne Eitelkeitsmätzchen in áie Kamera. Veronica Ferres sitzt während einer Drehpause auf einem Stuhl mitten im Acker und sieht auf einmal wie eine sympathische Frau aus. Broich trifft ihre Kollegen im Augenblick der Wahrheit. Ihre Bilder gleichzeitig persönlich und sachlich. Sie halten respektvoll
Abstand und schaffen gende dadurch unverstellte Momente.

Der schöne Katalog (Margarita Broich: „Wenn der Vorhang fällt“) ist im Alexander-Verlag erschienen.

www.sueddeutsche.de