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Veröffentlicht am 12. Okt, 2011 in WEB

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Theatermuseum zeigt Schauspieler-Porträts

Die Fotografin Margarita Broich hat ihre Kollegen am Set oder hinter der Bühne geknipst. In der Ausstellung „Wenn der Vorhang fällt“ zeigt das Deutsche Theatermuseum ihre Porträts bekannter Schauspieler.
Kate Winslet in der Garderobe, John Malkovich erschöpft nach dem Auftritt, Otti Fischer bei der Zigarettenpause: Es sind sehr ungewöhnliche Einblicke, die Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich mit ihren Porträtfotos gewährt. An Filmsets und hinter dem Theatervorhang hat sie ihre Kollegen direkt nach dem Dreh einer Szene oder nach einer Bühnenaufführung abgelichtet.
Ihre Fotos entstehen in Zwischenräumen: Theatergängen, Garderoben oder Wohnwagen. Es ist der Moment der Verwandlung, den Broich festhält. Die Schauspieler sind nicht mehr ganz in ihrer Rolle – ganz wieder bei sich angekommen sind sie aber auch noch nicht.
Die Ausstellung „Wenn der Vorhang fällt“, die von diesem Donnerstag an im Deutschen Theatermuseum in München zu sehen ist, zeigt rund 60 dieser Bilder. „Die Gesichtsausdrücke sind immer relativ leer“, sagte Broich am Mittwoch. „Alle Bilder haben so etwas Demütiges.“ In München sind sie bis zum 8. Januar 2012 zu sehen.
Bevor sie in Berlin Schauspiel studierte, machte Broich in Dortmund eine Ausbildung zur Fotodesignerin. Sie arbeitete unter anderem als Theaterfotografin am Bochumer Schauspielhaus unter Intendant Claus Peymann. Sie war Ensemblemitglied am Frankfurter Schauspielhaus und am Berliner Ensemble. Seit 2002 ist sie vor allem in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen – unter anderem in „Der Vorleser“ und „Effi Briest“.
Auf die Idee, ihre Kollegen nach der Arbeit abzulichten, kam sie im Jahr 2001. Damals stand sie für Christoph Schlingensiefs „Rosebud“- Inszenierung auf der Berliner Volksbühne und erschrak nach der Aufführung beim Blick in den Spiegel. Ihr Gesicht, ihre Hände waren völlig mit Theaterblut verschmiert. „Ich glaube, das war der Auslöser, diesen eigenartigen Zwischenzustand nach einer Vorstellung bei mir und meinen Kollegen, mit denen ich gespielt beziehungsweise gedreht habe, festzuhalten“, steht in der Ausstellung neben ihrem eigenen – blutverschmierten – Porträt. Damit nahm alles seinen Anfang.
Seitdem hat Broich fast alles fotografiert, was in der deutschsprachigen Schauspielerszene Rang und Namen hat – und darüber hinaus. Ben Becker zeigt sie noch in seinem Kostüm als graues Schreckgespenst aus der „Jedermann“-Inszenierung
2010 – mit Zigarette in der Hand im Campingstuhl. Peter Franke zeigt sie schlafend auf einem Sofa. „Ich habe ihm gesagt, er soll sich dorthin setzen – und als ich mit der Kamera wiederkam, war er einfach eingeschlafen.“ Auch ihren Partner Martin Wuttke hat sie immer wieder in den unterschiedlichsten Posen fotografiert.
Broich fotografiert ohne künstliches Licht, alles muss ganz schnell gehen – „sonst ist das Blut getrocknet, die Spuren verwischt. Der Beruf muss den Spielern noch ins Gesicht geschrieben sein. Sie sind bloß da. Müde und schön.“ Durch ihre Fotografien, sagt sie, hat sich auch ihre Einstellung zum Schauspiel-Beruf verändert: „Ich habe mich noch einmal in meinen Berufsstand verliebt.“

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